Vermittlung populärer Musik
PD Dr. Benjamin Burkhart: Vermittlung populärer Musik auf digitalen Plattformen
Wer sich als popmusikinteressierte Person auf digitalen Plattformen wie YouTube, TikTok oder Instagram umtut, wird mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit bereits auf Namen wie Rick Beato, Mary Spender, Beth Roars, Adam Neely und Anthony Fantano gestoßen sein. Sie alle sind Content Creator:innen, die Videos bspw. zu musikhistorischen, musiktheoretischen und musikwirtschaftlichen Themen veröffentlichen und damit regelmäßig ein Millionenpublikum erreichen. Sie vermitteln also musikbezogene Informationen und sorgen insofern nicht nur für Unterhaltung, sondern leisten im Kern auch Bildungsarbeit. Dabei agieren sie weitgehend unabhängig von etablierten Institutionen musikalischer Bildung (Hochschulen, Musikschulen, Musikarchive etc.), dafür aber innerhalb technologisch-kommerzieller Infrastrukturen, die von großen Unternehmen wie Meta oder Google geschaffen wurden. Vorgänge der Datafizierung und Algorithmisierung des alltäglichen Lebens nehmen also automatisch Einfluss darauf, wie in digitalen Räumen über Musik gesprochen wird.
Im Rahmen meiner Forschung interessiert mich, welche Auswirkungen die Plattformisierung auf die Arbeit von Musik-Content-Creator:innen und auf ihre Vermittlung musikbezogener Informationen hat. Welche Inhalte dominieren auf Plattformen aus welchen Gründen? Wie wählen reichweitenstarke Content Creator:innen ihre Themen aus? Welchen Einfluss haben dabei algorithmische Filterungslogiken und das Feedback der Plattform-User:innen? Werden auf Plattformen bestehende Kanonisierungsmuster reproduziert, insbesondere mit Blick auf Kategorien sozialer Differenz wie race und Gender? Um diese Fragen zu beantworten, analysiere ich reichweitenstarke Videos und trete mit ihren Urheber:innen in Dialog. Mit meiner Arbeit möchte ich dazu beitragen, dass Musik-Content-Creation sowohl in der Forschung als auch in der Vermittlung von Musik ernst genommen und kritisch eingeordnet wird. Bekannte Content Creator:innen haben dank ihrer Reichweite eine nicht zu unterschätzende Diskursmacht. Gerade deshalb ist es wichtig, ihre Inhalte zu reflektieren und zugleich zu überlegen, wie ein konstruktiver Umgang diesem Phänomen in der musikbezogenen Bildung (Schule, Musikschule, Hochschule) gestaltet werden kann.
Benjamin Burkhart
Kontakt
PD Dr. Benjamin Burkhart
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Historische Musikwissenschaft
Zuletzt bearbeitet: 15.06.2026
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