Wiegenlieder

Jun.-Prof. Dr. Maria Behrendt: Wiegenlieder im Animationsfilm

Wenn Königin Iduna ihre Töchter Anna und Elsa in Frozen II (2019) mit dem Wiegenlied „All is Found“ in den Schlaf singt, wird nicht nur ein musikalisches Leitmotiv eingeführt, sondern auch die verstorbene Mutter als unerreichbares Ideal von Liebe und Weisheit porträtiert und Kindheit als verlorenes Paradies dargestellt. Wiegenlieder erfüllen im Film also vielfache Funktionen: Sie sind ein Handlungsmoment, in dem die Musik nicht mehr rein im Hintergrund, sondern für die Filmfiguren hörbar erklingt, sie transportieren Bilder von Kindheit und Familie, aber auch oft Erzählmuster von Traumata und Verlust: In Coco (2017) steht ein Wiegenlied stellvertretend für die lebenslange Beschäftigung der Protagonistin mit einem ungelösten Familienkonflikt. In The Prince of Egypt (1998) und Anastasia (1997) weckt ein Wiegenlied lang verschüttete traumatische Erinnerungen.

Oft werde ich gefragt: Warum gerade Animationsfilme? Ich sehe hier eine Reihe von Besonderheiten, die alternative Perspektiven auf Filmmusik eröffnen. Sie sind zum Beispiel an andere Regeln der Realitätsdarstellung gebunden: Es finden sich Traumszenen, Dialoge mit Tieren etc., die sich bruchlos in die Handlung einfügen und die Einbettung von Gesangsszenen in verschiedene Ebenen von Wirklichkeit erlauben. Zudem richten sich Animationsfilme zwar nicht ausschließlich, aber doch größtenteils, an Kinder und junge Jugendliche, und nehmen so bereits früh einen großen Einfluss auf kindliche Vorstellungen von Familie. Gerade in Zeiten sich wandelnder Konzeptionen von Elternschaft eröffnen sich mir als Gender-Forscherin hier besonders spannende Fragen.

Maria Behrendt 

 

Kontakt

Jun.-Prof. Dr. Maria Behrendt
Juniorprofessorin und Leiterin des Forschungszentrums Musik und Gender

mehr Informationen ...

Quelle: ChatGPT

Zuletzt bearbeitet: 18.05.2026

Zum Seitenanfang